blog: Herdenimmunität COVID-19

Die Tagesschau hat vorhin (4.4.2020) propagiert, man solle die Einschränkungen in puncto COVID-19 schrittweise zurücknehmen und auf eine Herdenimmunität hinsteuern, gleichzeitig aber die Risikogruppen schützen. Man schätzt, dass eine Herdenimmunität nach Genesung von 70% der Gesamtbevölkerung erreicht ist.

Das RKI gibt als Risikogruppen ältere Personen (mit stetig steigendem Risiko für schweren Verlauf ab etwa 50-60) und Personen mit bestimmten Vorerkrankungen an [1]. Laut statistischem Bundesamt machen die Ü50er aber einen Bevölkerungsanteil von 45% aus [2], von den Personen mit Vorerkrankungen unter 50 ganz abgesehen. Es ist also unmöglich, Herdenimmunität zu erreichen, ohne Personen aus der Risikogruppe zu infizieren.

Ich bin verwundert, dass solche Aussagen in der Tagesschau wiedergegeben werden.

[Update 8.4.2020: Die Tagesschau hat heute dann Gauland und Lindner zu Wort kommen lassen, die sich auch für die Lockerung der Maßnahmen und “Schutz der Risikogruppen” aussprachen. Das heißt für mich, man ist auch dort an einer seriösen und durchdachten Diskussion nicht mehr interessiert und generiert lieber Zuschauerzahlen. Aufgrund meiner Fassungslosigkeit habe ich einmal die Redaktion angeschrieben und (freundlich!) gefragt, wie die Befürworter der Strategie denn ihre inhärente Widersprüchlichkeit auflösen.]

[1] https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Steckbrief.html
[2] https://service.destatis.de/bevoelkerungspyramide/index.html#!a=18,50&g

2020-04-05 00:36 UTC